Kryptowährungen näher betrachtet

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Die Währungseinheiten werden mit der Software „geschürft“ (hierfür wird auch im Deutschen oft „Mining“ verwendet), d. h. jeder, der einen ausreichend leistungsfähigen Computer hat, kann sie herstellen. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Währungseinheiten und sie werden mit der Zeit schwerer zu minen, sie können aber leicht gehandelt werden, und die Preise sind hoch. Diese virtuellen Währungen werden heute auf breiter Front akzeptiert, und die Zahl der Onlinehändler, die sie annehmen, wird immer größer. Überall, ob in modernsten Onlinecasinos oder in Onlineshops oder anderen eCommerce-Websites, nimmt man inzwischen immer öfter Bitcoin an, und die Nachfrage nach dieser Art Transaktionswährung wächst.

Blockchains sind mehr als nur Bitcoins

Es ist die Blockchain-Technologie, die Bitcoin und alle anderen Kryptowährungen möglich macht. Von diesen gibt es inzwischen mehr als 700. Bitcoin und viele andere alternative Kryptowährungen, die auch unter dem Begriff Altcoins zusammengefasst werden, stellen mit Hilfe von Blockchain-Technologie ein elektronisches Abrechnungssystem auf Peer-to-Peer-Basis auf und verfolgen damit die Eigentumsrecht an den Währungseinheiten. Doch diese Technologie kann auch anders genutzt werden.

Blockchaintechnologie und Bitcoin verhalten sich zueinander ungefähr wie Internet und E-Mail. Das Internet ist das übergreifende System, das viele verschiedene Anwendungen und Funktionen zulässt – E-Mail ist nur eine davon. Analog ist Bitcoin nur eine der möglichen Anwendungen der Blockchaintechnologie.

Es gibt einige Kryptowährungen, die Blockchains genau wie Bitcoin nutzen, aber andere setzen andere Aspekte dieser Gesamttechnologie ein. Dadurch entsteht Vielfalt auf dem Markt der Kryptowährungen, und das zeigt sich allmählich. Zum ersten Mal seit Jahren beträgt der Anteil von Bitcoin am Kryptowährungsmarkt nicht mehr um die 80 %, sondern eher um die 50 %.

Die Aufregung um Ethereum

Ethereum gehört heute zu den Produkten auf Basis von Blockchaintechnologie, die am meisten im Gespräch sind, denn es lässt viel mehr Anwendungsmöglichkeiten zu als jede andere Kryptowährung. Während die meisten Kryptowährungen den Entwicklern nur die Nutzung eines kleinen Anteils des Blockchain-Codes erlauben, lässt Ethereum Hunderte von Anwendungen zu.

Die Entwickler haben vollen Zugriff auf den Blockchain-Code, und so können sie mit Ethereum die geminten Einheiten, die Ether genannt werden, einmal als normale Kryptowährung nutzen, aber auch zur Bezahlung von Transaktionsgebühren und Diensten auf dem Ethereum-Netzwerk. Mit Ethereum ist es außerdem viel leichter, den Blockchain-Code zu benutzen. Dies geschieht über eine sogenannte Ethereum Virtual Machine. Mit dem Code können sogenannte Smartcontracts erstellt werden, die unter bestimmten Bedingungen bestimmte Aktionen durchführen. Diese wiederum können zum Aufbau dezentralisierter autonomer Organisationen, oder kurz DAOs, verwendet werden, die vollkommen autonom sind und nicht von irgendeiner konkreten Person betrieben werden.

Durch den Code in den Smartcontracts der DAOs werden weder Menschen noch eine zentrale Steuerung gebraucht, und jeder, der Tokens besitzt, besitzt auch Kapital, Anteile und Stimmrechte. So können dezentralisierte Apps für naheliegende Branchen wie Banken entwickelt werden, aber auch für weniger naheliegende wie Wahl- und Meldesysteme.

Die Wertermittlung ist eine Herausforderung

Die breite Palette möglicher Funktionen der Blockchaintechnologie sollte deutlich sein, und die Ethereum-Anwendungen sind für die egalitäre Ideologie, die ursprünglich zur Entwicklung von Bitcoin führte, sehr reizvoll. Doch nichts an dieser Technologie besitzt einen intrinsischen Wert, wie zum Beispiel ein US-Dollar, der gesetzliches Zahlungsmittel in den USA ist, oder Gold, aus dem zum Beispiel Schmuck gemacht werden kann.

Es gibt viele Vorschläge und Diskussionen darüber, welche verschiedenen Faktoren den Wert einer Kryptowährung bestimmen sollten. Zwei davon, die jetzt schon eine große Rolle spielen, sind der erwartete Vorteil und Nutzen sowie Angebot und Nachfrage. Wenn sie mehr wert sind, weil die Menschen sie für immer wichtiger halten, dann steigt die Nachfrage und der Wert damit noch mehr.

Da der intrinsische Wert fehlt, schwankt der Wert einer Kryptowährung jedoch stark. Der Wert von Ethereum fiel am 21. Juni 2017 einige Stunden lang von etwa 320 $ auf 10 Cent pro Anteil, weil mit den neuen Kryptowährungen immer noch traditionelle Tradingmethoden genutzt werden, und das funktioniert nicht immer. Trader dürfen „Stop-Loss“-Aufträge für Ethereum geben und damit Anteile verkaufen, wenn diese unter einen bestimmten Wert fallen, genau wie bei gewöhnlichen Aktien.

Als ein einzelner Investor am 21. Juni einen Verkaufsauftrag über mehrere Millionen erteilte, fiel der Kurs von Ethereum auf ein Niveau, das etwa 800 Stop-Aufträge auslöste. Dies ließ den Kurs noch weiter abstürzen, und weil alles automatisch stattfand, gab es niemanden, der verhindern konnte, dass die Anteile zu lächerlichen Preisen verkauft wurden. Als Ethereum zurückkam, hatten diejenigen, die die Anteile zu Tiefstpreisen kaufen konnten, etwas zu feiern. Die, die verkauft hatten, konnten nichts unternehmen.

Weiterentwicklung erforderlich

Wenn sie auch nicht so dramatisch waren wie der Crash am 21. Juni, so gab es doch zuletzt weitere Einbrüche bei Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen. Je nachdem, ob die Öffentlichkeit ihnen mehr vertraut oder mehr an ihnen zweifelt, ändert sich ihr Wert. Es muss weiter diskutiert werden, wie die Währungen besser reguliert werden können, damit ihr Kurs sich stabilisiert, ohne die Dezentralisierung und die Autonomie aufzugeben, die so viele Anwender verlangen. Kryptowährungen werden uns wahrscheinlich erhalten bleiben, doch nur die stärksten und flexibelsten werden überleben.