Startup-Unternehmen: Gestern, heute und morgen

Die herkömmliche Meinung besagt, dass wir die vorhandene Zahl von Unternehmensgründungen brauchen, um weiter zu wachsen und so das Unternehmertum und eine gesunde Wirtschaft voranzutreiben. In der Vergangenheit traf das sicherlich zu, aber ist es auch heute noch der Fall?

Es werden immer mehr Startups gegründet, vor allem in technologischen Bereichen. Es scheint einen Drang nach schnellerem Wachstum und mehr Profit zu geben: Die meisten jungen Unternehmen werden in Branchen gegründet, die bereits deutliche Markttraktion und entscheidendes Investorenvertrauen erzielt haben und deren sonstige Eintrittsbarrieren niedriger ausfallen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Anstieg der Zahl heute vorhandener Produkte für den Zahlungsverkehr zwischen Freunden, da diese Dienste früher unvorstellbar stark begrenzt waren und nur von Banken oder anderen Finanzinstituten angeboten wurden. Jetzt sind diese Apps im Überfluss erhältlich, weil die fortschreitende Technologie die Eintrittsbarrieren gesenkt und den Markt geöffnet hat.

Die Qualität dieser Startups unterscheidet sich im Vergleich zu früher, was auch für die Zukunft des Unternehmertums gilt. Wir müssen betrachten, was die neuen Firmen von heute tun, um zu sehen, was morgen geschehen wird.

Zombie-Startups

Der Ausdruck Zombie-Startup mag ein wenig skurril klingen, ist es jedoch in Wahrheit keineswegs. Er wurde durch die Gründerin von Referly geprägt, als sie eine Analyse dieses speziellen gescheiterten Startups vornahm. Statt in die Kategorie derjenigen neuen Unternehmen zu fallen, die erfolgreich sind (10%) oder sehr frühzeitig in Konkurs gehen (20 bis 30%), können Zombie-Startups genügend Einnahmen erwirtschaften, um hinkend weiter zu existieren.

Gemäß der Definition eines Zombie-Startups hat dieses zwar Zugang zu finanziellen Mitteln, tritt aber dennoch erfolglos in den Markt ein oder erfährt ein stagnierendes Wachstum. Es kann weiterbestehen, muss sich aber letzten Endes verkleinern. Die permanente Fokussierung auf finanzielles Überleben und der Mangel an leicht zugänglichen Ressourcen bedeuten wenig Raum für Innovationen, von denen wir in der Startup-Welt, wo sie so entscheidend sind, immer weniger sehen.

Woher kamen nun Zombie-Startups? Die meisten Fachleute schreiben die Schuld der gegenwärtigen Kultur zu, die branchenübergreifend schnelleres Wachstum verlangt. In der Technologiebranche, im Silicon Valley und darüber hinaus, wird dies von der dringenden Notwendigkeit angeheizt, mit allen anderen mithalten zu müssen. Geschichten der wenigen Unternehmen, die tatsächlich sensationelle Pivots zustande bringen und anfangen, enorme Umsatzströme zu erwirtschaften, erreichen einen fast mythischen Status und jeder verfolgt den gleichen Traum, selbst Teil einer solchen Erfolgsgeschichte zu sein.

Natürlich gibt es heute mehr Unternehmer und Startup-Firmen als in der Vergangenheit, doch sie sind weniger nachhaltig und werden von weniger neuen Innovationen angetrieben. Mit beginnender Implosion der Technologieblase werden immer mehr Unternehmen in diese Kategorie absteigen.

Hindernis für neue Entwicklungen

Zombie-Startups sind nicht nur triste Erscheinungen, die zur Entmutigung der Mitarbeiter führen, sondern stellen aktive Abflüsse von neuen Ideen und Wachstum dar. Ressourcen verbleiben bei diesen stagnierenden Unternehmen, wodurch weniger Ressourcen für neue Firmen zur Verfügung stehen, die sie ersetzen könnten. Laut den meisten Insidern wird das Unternehmertum letztendlich nicht durch einen Mangel neuer Startups, sondern durch das ausbleibende Verschwinden von Zombie-Startups erstickt.

Was wir tun können

Die Frage lautet nun, wie die drohende Zombie-Startup-Apokalypse abgewendet werden kann. Eine Änderung der Einstellung scheint erforderlich. Anstatt sich nur auf rasantes Wachstum zu konzentrieren, müssen wir uns ansehen, wodurch dieses Wachstum nachhaltig werden kann.

Startup-Unternehmen sollten sich in einem Tempo entwickeln, das sie bewältigen können, und die Verknüpfung zwischen Wachstum und der Zeitspanne bis zum Verbrauch des Kapitals muss aufgebrochen werden. Auch eine Ausrichtung auf mehr Vielfalt ist eine gute Idee, sodass es mehr Umsatzströme gibt, die die Wirtschaft antreiben.

Im Endeffekt ist es Zeit, über den Tellerrand hinaus zu denken. Statt auf eine kurzzeitige Explosion von Wachstum, Firmen und unternehmerischen Projekten zu schauen, müssen die Kapitalisten prüfen, wie weiteres Wachstum möglich ist, ohne dabei die gegenwärtigen Ressourcen zu überfordern, da dies in die Zombie-Startup-Falle führt.